22. Duderstädter Gespräche

In diesem Jahr haben sich die Duderstädter Gespräche mit dem Thema „Ist Gesundheit noch bezahlbar – Zukunft: 2-Klassen-Medizin?“ auseinander gesetzt. Dass mit diesem Thema ein aktuell viel diskutierter Themenkomplex getroffen wurde, hat die große Resonanz an der Veranstaltung gezeigt. So konnten am 4. März auf dem Pferdeberg in Duderstadt nicht nur hochkarätige Referentinnen und Referenten begrüßt werden, sondern auch ca. 150 Gäste.

Die niedersächsische Sozialministerin, Frau Aygül Özkan, eröffnete die Reihe der Statements und stellte in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen die regionalen Herausforderungen der Gesundheitspolitik. Gerade die zunehmende ärztliche Unterversorgung auf dem Lande stellt die Gesundheitsversorgung vor neue Herausforderungen. Anschließend rückten Herr Bernhard Brinkmann, MdB der SPD-Bundestagsfraktion, und Frau Brigitte Pothmer, MdB der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen stärker die bundespolitischen Aspekte in den Mittelpunkt der Diskussion. Sie warben für das Modell der Bürgerversicherung, mit dem das System der Gesundheitsversorgung auch langfristig auf finanzierbare Füße gestellt werden soll. Demgegenüber wurde von Frau Heidemarie Mundlos, MdL der niedersächsischen CDU-Fraktion das Modell der Gesundheitsprämie (Kopfpauschale) favorisiert.

 

Neben den politischen Vertreterinnen und Vertretern auf dem Podium diskutierten auch die Leistungsträger und die Leistungserbringer das Thema mit. Für die niedersächsische AOK stellte sich deren Vorstandsvorsitzender, Herr Dr. Jürgen Peter den Fragen der Moderatorin und des fachkundigen Publikums. Die Erwartungen der Einrichtungen der stationären Versorgung wurden vom Geschäftsführer der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft formuliert, Herrn Helmut Fricke.

Die Diskussion fasste der Diözesanvorsitzende Andreas Bulitta zusammen unter dem Stichwort „Gerechtigkeit“, einer vielfach bemühten Vokabel, mit der die gegenseitigen Abhängigkeiten des Systems austariert werden sollen: Gerechtigkeit bei den Beitragsverfahren zum Gesundheitssystem, Gerechtigkeit bei der Versorgung, Gerechtigkeit bei der Verteilung der Ärzte aber auch Gerechtigkeit unter ethischen Aspekten.

 

Am Ende der Veranstaltung wurde die „Duderstädter Erklärung zur Gesundheitspolitik“ verabschiedet, die in sechs Punkten die Erkenntnisse und Forderungen des Tages ausdrückt. Andreas Bulitta fasste dies wie folgt zusammen: „Alle Menschen müssen den qualitativ gleichen Zugang zu einer angemessenen und notwendigen Behandlung der Erkrankung erhalten. Die hochwertige medizinische Versorgung muss vom Einkommen, vom Alter und von der sozialen Schicht unabhängig sein. Eine 2-Klassen-Medizin, die Menschen ausgegrenzt, darf es nicht geben“.

Bereits am 3. März begannen die diesjährigen Duderstädter Gespräche mit ca. 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich mit den Grundlagen des Gesundheitssystems auseinandergesetzt haben. Neben den „Grundlagen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung“ (Frau Sveja Eberhard, AOK) wurden auch die „Grundlagen der derzeitigen Organisation der Gesundheitsversorgung in Deutschland – die Rolle von Bund, Ländern und Kommunen“ (Frau Ines Henke, Beigeordnete beim Niedersächsischen Landkreistag) dargestellt. Abgerundet wurde der Nachmittag durch „Die ärztliche Versorgung in Stadt und Land – Probleme – Herausforderungen“ (Herr Rolf Hufenbach, Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen) und die Frage, „Wie kann die Krankenhausversorgung sicher gestellt werden?“ (Herr Helmut Fricke, Niedersächsische Krankenhausgesellschaft).

Umrahmt von den hervorragenden Möglichkeiten der Familienferienstätte in Duderstadt zogen alle Beteiligten ein äußerst positives Resümee der Veranstaltung. „Wir haben damit den Diskussionsprozess um dieses wichtige Thema intensiv begleitet und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein objektives Bild der aktuellen Situation im Gesundheitswesen darstellen können“, so Heinrich Albers, der im Diözesanvorstand Hildesheim für das Handlungsfeld „Arbeit und Soziales“ verantwortlich ist, in dessen Rahmen die Duderstädter Gespräche stattfinden.